Porträt des weiblichen Board-Mitglieds

 Weil ich auch einige Erfahrungen, als Board-Mitglied gesammelt habe, möchte ich diese Studie weiterleiten. Die Studie traten einige klare Muster zutage. Weibliche Directors waren meist jünger als männliche – wahrscheinlich, weil sie erst vor relativ kurzer Zeit in ihre Boards berufen wurden, während Männer dort schon länger sitzen. 76 Prozent der weiblichen Directors (gegenüber 69 Prozent der männlichen) waren in einer operativen Funktion tätig, 68 Prozent (bei den Männern 51 Prozent) in einer reinen Führungsfunktion wie CEO, President oder Partner. Diese Befunde lassen vermuten: Um in einen Board zu kommen, müssen Frauen mehr erreicht haben als Männer. Und sie widersprechen der Annahme, dass weibliche Board-Mitglieder zumeist nur Erfahrung aus nicht operativen oder unterstützenden Rollen mitbringen.

Ein weiterer Unterschied: Die meisten weiblichen Board-Mitglieder arbeiteten für nicht börsennotierte Unternehmen. Auch bei den Männern in den Führungsgremien war die Mehrheit in nicht börsennotierten Unternehmen beschäftigt, ein höherer Prozentsatz aller Männer arbeitete jedoch in börsennotierten Unternehmen. Dies dürfte die Tatsache widerspiegeln, dass es nur wenige Frauen in die Vorstände börsennotierter Unternehmen schaffen.

Wie die Daten ebenfalls zeigen, mussten Frauen auf ihrem Weg an die Spitze meist Nachteile in Kauf nehmen. Im Vergleich zu den männlichen Directors waren sie seltener verheiratet und hatten weniger Kinder. Ein größerer Anteil bei den Frauen war zudem geschieden – ein Anzeichen für größere persönliche Opfer. In unserer Umfrage aus dem Jahr 2012 fanden wir ähnliche Muster.

Sehr neugierig waren wir darauf, welche Wünsche unsere Topkräfte noch hatten, obwohl sie beruflich gesehen in den Augen der meisten bereits alles erreicht haben. Bei den Frauen war der Anteil derjenigen, die sich als ehrgeizig beschrieben, mit 92 Prozent etwas höher als bei den Männern (86 Prozent). Und ganz entgegen den üblichen Geschlechterstereotypen sagten 91 Prozent der Frauen, aber nur 70 Prozent der Männer, sie würden ihre Macht und ihren Einfluss genießen.

Im Durchschnitt waren die Frauen in unserer Umfrage in jeweils zwei Boards vertreten, die Männer in dreien. Vor diesem Hintergrund ist folgender Wunsch nicht erstaunlich: Mehr als die Hälfte der weiblichen Directors sagte, sie hätten gern mehr Board-Sitze (bei den Männern war der Anteil geringer). Auch insgesamt zeigten die Frauen mehr beruflichen Ehrgeiz: 72 Prozent von ihnen gaben an, gern ein Unternehmen führen oder weiterführen zu wollen, bei den Männern waren es 19 Prozent. Zum Teil mag sich das durch das niedrigere Alter erklären lassen, aber nicht vollständig: 29 Prozent der Frauen, die es an die Spitze zog, waren zwischen 60 und 70 Jahre alt. Der Anteil der aufstrebenden Männer in dieser Altersgruppe betrug dagegen nur 10 Prozent. Derart überdurchschnittliche Ambitionen in einem Alter, in dem die meisten beruflich kürzerzutreten beginnen, lassen Folgendes vermuten: Frauen, deren Chancen lange Zeit begrenzt waren, wollen ihre Karriere etwas länger verfolgen, um es doch noch in die allerbegehrtesten Positionen zu schaffen.

(http://wissen.harvardbusinessmanager.de/wissen/leseprobe/111763109/artikel.html?backUrl=http%3A%2F%2Fwissen.harvardbusinessmanager.de%2Fwissen%2Fstatic%2Fdossierbrowser.html%3Fsigid%3D7015054%26von%3D01.01.1979%26start%3D1%26sigkuerzel%3DHBM%252FF%25C3%25BCh%252FEig%26step%3D10%26)

Porträt des weiblichen Board-Mitglieds
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